(von Werner Schulz)

Großer Sohn Hirschaus Anton Eduard Bösl vor 45 Jahren zum Bischof geweiht

Der 25. Oktober 1992 war ein großer Feiertag in der Bischofsstadt Concepción. Bischof Bösl weihte die drei neuen Glocken der Marien-Kathedrale. Sie tragen (ins Deutsche übersetzt) die Inschrift: „Gegossen in Deutschland aus Anlass des 500. Gedenkjahres der Entdeckung und Evangelisierung Amerikas, geweiht von Bischof Antonio Eduardo Bösl OFM, gespendet von den Wohltätern des Franziskaner-Missionsvereins in Bayern e.V., Deutschland.

Großer Sohn Hirschaus Anton Eduard Bösl vor 45 Jahren zum Bischof geweiht

Amberg-Sulzbach/Hirschau. Der 1. April 1973 ist ein (ge-)denkwürdiger Tag für die Stadt- und die Pfarrgemeinde Hirschau. In der Marien-Kathedrale von Concepción in Bolivien empfing Anton Eduard Bösl OFM durch den Erzbischof von Sucre, José Clemente Kardinal Maurer, die Bischofsweihe. Damit war er Oberhirte der Diözese Nuflo de Chavéz, die mit 90 000 km² so groß ist wie Bayern und Hessen zusammen. Mit Stadtpfarrer Heinrich Röhrl, seinem Bruder Studiendirektor Georg Bösl und Otto Hammer erlebten drei Hirschauer das große Ereignis live mit.

Am 25. März 1925 wurde Anton Bösl in Hirschau als fünftes von sechs Kindern des Schuhmachermeisters Anton Bösl und seiner Frau Margarete geboren. Seine humanistische Bildung erwarb er im Franziskaner-Seminar Freystadt und an den Gymnasien in Landshut und Amberg. Nach dem Krieg trat er in den Franziskaner-Orden ein und erhielt den Ordensnamen Eduard. Nach seinem Studium empfing er am 8. Juli 1951 die Priesterweihe durch Michael Kardinal Faulhaber. Im August 1952 zog er in die Indianermission Nuflo de Chávez im tropischen Osten Boliviens. Dort wurde ihm im Oktober 1954 die Urwald-Region des Monte Grande als Pfarrei übertragen, ein Gebiet mit rund 25 000 km². Er baute die neue Pfarrei El Fortin Libertad auf und kämpfte erfolgreich dafür, dass seine Indios Land zugeeignet bekamen. Am 20. Februar 1973 nahm Padre Eduardo Abschied von El Fortin.  Papst Paul VI. hatte ihn am 18. Dezember 1972 zum Apostolischen Vikar von Nuflo de Chávez ernannt. Damit war er bereits Oberhirte der Diözese, zu deren Bischof er morgen vor 45 Jahren geweiht wurde.

Die Erfolge seiner Missionsarbeit lassen sich nicht im Detail aufzählen. Sie ergäben eine Endlosliste an Krankenhäusern, Sanitätsstationen, Arztwohnungen, Sozialhäusern, Schulen, Lehrerwohnheimen, Wasserversorgungsanlagen, Stauweihern, Brücken, Wegen, Sportplätze, Lehrwerkstätten, Pfarrzentren, Schwesternhäusern, neu erbauten oder restaurierten Kapellen und Gotteshäusern. Unter den Projekten ragen die Restaurierung der Kir­che von San Javier und der Kathedrale von Concepción heraus. Die baufälligen Ruinen wurden nach der von ihm vorangetriebenen Restaurierung von der UNESCO zu „Weltkulturgütern der Menschheit“ erklärt. Die drei größten Städte der Diözese Concepción, San Javier und Ascensión ernannten den Bischof zum Ehrenbürger. Wie sehr ihn die Indianer als einen der Ihren sahen, brachten sie bei seinem 25-jährigen Bischofsjubiläum plakativ zum Ausdruck: „Tienes alma chiquita“ – „Du hast eine Chiquitano-Seele“ stand auf dem Transparent, das sie ihm eine Indio-Gruppe am Altar überreichte.

Nach Boliviens Rückkehr zur Demokratie verlieh ihm Staatspräsident Siles den höchsten Staatsorden Boliviens, den „Condor de Los Andes“. Welche Wertschätzung der Hirschauer Franziskaner in seiner Wahlheimat genoss, verdeutlicht ein Artikel der bolivianischen Zeitung „El Deber“ am 23. März 1987: „Aus Anlass des Besuches des Bundespräsidenten von Weizsäcker erinnert man sich in Bolivien auch anderer deutscher Staatsbürger, die Großartiges für Bolivien geleistet haben. Wir erinnern uns an Eduardo Bösl, Bischof von Nuflo de Chavéz. Er ist für seine deutsche Heimat eine Ehre, für seine Religion und für seinen Orden. Jemand sagte einmal treffend: Wenn es doch in Bolivien vier solche Bösls gäbe“.

Seine Vaterstadt Hirschau ernannte ihren großen Sohn am 7. Mai 1974 zum Ehrenbürger. Am 3. September 2000 erfuhr er eine weitere Ehrung. Der Platz um die Stadtpfarrkirche wurde in „Bischof-Bösl-Platz" umbenannt.

Fünf Wochen später erlag Bischof Bösl am 13. Oktober 2000 einem Herzversagen. Am 15. Oktober in der Marien-Kathedrale vor dem Allerheiligsten am Marienaltar bestattet. In den Herzen seiner Indios lebt ihr „Monsenor Antonio Eduardo“ weiter. Das beweist die liebevolle Pflege seines Grabes. Ein untrüglicher Beleg dafür ist sicher auch, dass die im November 2017 in Concepción neu eingeweihte Schule seinen Namen trägt.

Am morgigen Ostersonntag wird beim Festgottesdienst des 45-jährigen Weihejubiläums von Bischof Bösl gedacht.

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