(Fritz Dietl)

Mit Räucherpflanzen den Jahreskreis bewusst erleben

Mit Räucherpflanzen den Jahreskreis bewusst erleben

Räuchern bereichert das Leben

Hirschau. Dass Adolfine Nitsche eine große Anhängerschar hat, zeigte sich wieder beim von der Arbeitsgemeinschaft Obere Vils/Ehenbach (AOVE) organisierten Vortrag im Schloss-Keller.

Die zertifizierte Wildkräuterführerin ging zu Beginn ihres sehr informativen Vortrags auf die bei allen Kulturen sehr alte Tradition des Räucherns ein. Gründe sind ritueller und therapeutischer Art, zur Stärkung des Imunsystems, zur Reinigung und zur Haltbarmachung von Lebensmitteln. Die Sammelzeit für Pflanzen ist jetzt vorbei, sie haben keine Kraft mehr. Dies gilt aber nicht für Wurzeln und Harze. Für das Räuchern sollte man sich Zeit nehmen. Eine Räuchermischung sollte höchstens aus 9 verschiedenen Bestandteilen sein. Eine Wurzel, zwei Harze und mehrere Kräuter.

Die früheren Sonnen- und Mondfeste der Kelten wurden im Lauf der Zeit zu christlichen Festen. Sie begannen mit Maria Lichtmess, einer Zeit des Aufbruchs, wo Neues beginnt. Früher wurden an dem Tag Haus und Hof ausgeräuchert. Wichtige Pflanzen dabei sind Salbei und Tymian.

An Ostern kommen vor allem Harze wie Weihrauch und Myrrhe zum Einsatz, aber auch das heimische Fichten und Kiefernharz. Harze sind die Schutzschicht der Bäume bei Verletzungen, sie sollen nach der vorsichtigen Entfernung, mindestens 1 Jahr getrocknet werden. Im Mai, dem Wonne- und Liebesmonat kommen sinnliche Düfte wie Rosen, Lavendel und Myrte zum Einsatz. Myrte war früher die wichtigste Zimmerpflanze und wurde bei vielen Festen verwendet, z. B. die Myrtesträußchen bei Hochzeiten.

Zur Sommersonnenwende im Juni, werden Johannisfeuer entzündet. Eines der wichtigsten Jahreskreisfeste weltweit. Wetterkräuter wie Johanneskraut, Beifuß, Königskerze und Eisenhut werden in dieser Zeit verwendet.

Mitte August, an Maria Himmelfahrt, werden die Kräuterbuschen gesegnet. Die Kräuter haben dann die Kraft des ganzen Sommers. Sehr heilkräftige Pflanzen sind in diesem Zeitraum, Hollunder und Weißdorn, der Häuptlingsbaum der Kelten.

Im Herbst, es wird Erntedank gefeiert, kommen oft verschiedene Minzsorten zum Einsatz. Sie fördern die Konzentration und machen den Kopf frei.

Im November, dem Totenmonat, kommen Ahnengewürze wie Engelwurz, Wacholder und Nisteln zum Einsatz.

Mit der Winter-/Sommerwende im Dezember, die Christen feiern Weihnachten und den sich anschließenden Rauhnächten, steht die Bartflechte für reine Luft, Schafgarbe, Lorbeer und Baldrian werden für die Traumarbeit verwendet.

Der Jahreskreis schließt sich.

Adolfine Nitschke, die auch ein Buch über Räucherpflanzen heraus gebracht hat, in der sich ein Kapitel nur mit dem Thema des Abends befasst, warb am Ende ihres Vortrags bei den Teilnehmern dafür, die Räucherkultur wieder stärker unter das Volk zu bringen und das natürliche Werden und Vergehen im Jahreskreis intensiver wahrzunehmen.